Sieg des Hörsinns

Zutreffendes Modell

In einer so kommunikativen Welt, wie der unseren wird sehr viel Zeit damit verwendet, sich innerhalb der bekannten Kommunikationsmodelle – wie zum Beispiel dem Sender-Empfänger-Modell – auf die Senderseite zu konzentrieren. Das ist oft gar keine Absicht. Reden scheint sehr vielen von uns relativ leicht zu fallen. Mit der berühmten Ausnahme der mehr introvertierten Mitbürger und ähnlicher Veranlagung.

Dass das Sprechen eine so hohe Attraktion ausübt liegt sicherlich in solchen Nebeneffekten wie:

  • wer viel spricht, bedient häufig unser Bedürfnis nach unterhalten werden, das gibt uns selbst auch mal eine kognitive Pause… ganz nach dem Motto „lächeln und nicken“ 😉
  • wer sich klar und häufig äussert, findet aber auch effizienter Gleichgesinnte
  • wer sich klar dem Gegenüber offenbart, wird „berechenbarer“ und somit klarer einzuordnen… wir lieben unsere Schubladen.

Das sind nur einige Nebeneffekte. Gerade das Sender-Empfänger-Modell sieht aber ganz klar eine Gleichberechtigung beider Seiten vor. Beide Seiten werden mit ihren vier Ohren und Schnäbeln dargestellt. Grund genug mich in meinem Artikel mit der Kunst des Hörens und Zuhörens zu befassen.

Interpretation neu überlegt

Gerade in sozialen Berufen werden wir alle lange und unermüdlich darauf getrimmt unser Zuhören und unsere Interpretation des Gehörten an der Person gegenüber (dem Sender) auszurichten. Dies ist an und für sich nicht falsch. Schliesslich ist es einfach empathisch uns in die Situation des Sprechers hineinzuversetzen, uns bewusst zu überlegen, welche Konsequenzen seine/ihre Situation zu haben scheint und welche Emotionen dies bei ihm/ihr auslösen wird. Wir analysieren sehr rational.

Zur Ganzheitlichkeit gehört aber auch das, was das Gehörte in uns selbst auslöst. Zu diesem Teil kommen wir nicht so häufig. Liegt sicherlich auch in der Aufgabe, als Profi in sozialen Berufen eine vernünftige Distanz (nur bedingte Nähe) zu unseren Kunden oder Patienten einzuhalten.

Kann ich verstehen, Selbstschutz geht mir auch vor. Trotzdem erlangt das Verständnis der Situation eine neue Qualität, wenn wir nicht nur rational das Gesagte durchdenken und die Analyse dann kundtun, sondern auch unsere echten Bauchgefühle als Teil der Interpretation zulassen. Ob wir dann dies auch laut unserem Kunden mitteilen oder nur für uns selbst still in die Interpretation der Situation einfliessen lassen, kann ja ein separater Schritt sein, der jedes Mal individuell entschieden wird.

Äusserungen, die bei lauter Wiedergabe unseres Bauchgefühls, typisch wären sind z.B.:
„Macht mich jetzt selbst sehr wütend/betroffen/irritiert, was Du/Sie erzählt hast/haben.“

Dieses Spiel mit den Emotionen und dem Nähe-Distanz-Verhältnis ist sicherlich vorsichtig einzuüben. Trotzdem glaube ich, dass es die Intensität des Austauschs fördert ebenso wie die Authentizität des Austauschs.
Nur Mut! Eure KasiaDesign ohne Titel(1)

 

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2 Kommentare zu „Sieg des Hörsinns

  1. Hallo, ich habe im Rahmen meiner pädagogischen Arbeit schon oft positive Erfahrungen gemacht, wenn ich meine Gefühle VORSICHTIG mit eingebracht habe. Oft fühlt sich mein Gegenüber dadurch in seiner Gefühlswelt unterstützt und angenommen. Man muß damit aber sehr sensibel und bewußt umgehen. Insofern freue ich mich, daß mich dein Beitrag inspiriert hat darüber mal wieder bewußt nachzudenken. DANKE!
    Lieben Gruß Sabine

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