Das innere Team & wie es in der Pflege aussehen kann

Letztens habe ich mit einigem Schrecken festgestellt, dass ein bestimmtes „Bild“ bzw. eine beliebtes Personalentwicklungsmodell bei Pflegenden noch gar nicht angekommen bzw. weit verbreitet ist, wie es sollte.
Ich spreche von „DEM INNEREN TEAM“ von Friedemann Schulz von Thun.

Erläuterung

Das Innere Team betrachtet die “Innenseite” der zwischenmenschlichen Kommunikation genauer. Nämlich durch den Blick in uns selbst.

Wenn wir in uns hineinschauen, finden wir selten nur eine einzige “Stimme”, die sich zu einer bestimmten Situation oder einem Thema zu Wort meldet. Meist stoßen wir auf verschiedene innere Typen (wortwörtlich), die sich selten einig sind und die alles daran setzen, auf unsere Kommunikation und unser Handeln Einfluss zu nehmen.

Obwohl ein zerstrittener Haufen Charakteranteile/Meinungstypen im Inneren überaus lästig und quälend sein und bis zur Verhaltenslähmung führen kann, handelt es sich dabei nicht um eine seelische Störung, sondern um einen ganz normalen menschlichen Zustand. Dieser hat sogar Vorteile. Wenn nämlich aus dem zerstrittenen Haufen ein echtes Team wird, werden innere Synergieeffekte freigesetzt. Diese rühren vor allem daher, dass die “vereinten Blickwinkel” mehr Weisheit in sich tragen, als eine einzelne Stimme allein.

Unschwer nachzuvollziehen, dass folglich einer besseren Kommunikation im inneren auch eine optimierte Kommunikation nach Außen stattfinden wird.

Nennen wir das Kind beim Namen

Ich denke das Konzept ist klar. Gerne möchte ich Euch häufig vorgefundene Beispiele an Einzelanteilen in einem inneren Team einer pflegenden Person vorstellen. Vielleicht erkennt Ihr Euch hier und da wieder oder könnt auch die einzelnen Vorteile der jeweiligen Position im Pflegealltag gut nachvollziehen.

Warnung

Bevor Ihr weiterlest möchte ich aber noch vorwarnen, dass die einzelnen vorgestellten inneren Anteile jedes für sich recht überzogen und plakativ sind. Das ist natürlich mit gewisser Absicht so dargestellt und hat auch einen gehörigen Tropfen Wahrheit drin…denkt aber daran, in der Praxis ist das nicht schwarz-weiß und die Anteile vermischen zu jeweils zu den liebenswerten Individuen, die wir alle sind.
Ich werde ferner die Stimmen nur in männlicher Form beschreiben (er/ihm). Dies ist nicht tatsächlich als Männlein/Weiblein gemeint, sondern dient nur der erleichterten Lesbarkeit!

Team doctors on a white background. Vector illustration in a fla

Der pflegerische Perfektionist

Wenn er (diese Stimme) heim geht, dauert es noch Stunden, bis er aufhört darüber nachzugrübeln, ob er denn wirklich an alles gedacht hat. Wenn es ganz arg kommt, ruft er sogar nochmal auf Station durch, um ein in der Übergabe vergessenes Detail durchzugeben.
Dieser innere Anteil ist bei Patienten meist sehr beliebt, da er es nicht mit dem eigenen Anspruch vereinbaren kann, mitten im angerissenen Gespräch aus dem Zimmer zu stürmen trotz der sich türmenden Arbeit, also widmet er lieber überall einige Minuten mehr… zu lasten der Pause. Oder aber zu Lasten anderer Kollegen, was ihn ev. hier und da unbeliebt macht. Diese innere Stimme ist auch eher mal ein Konfliktschürer, denn sie nimmt eine sehr klare, unnachgiebige „Dafür“ oder „Dagegen“ Position ein.

Der Humorvoll-Kommunikative

Ein tougher Pflegealltag lässt sich doch mit einer Portion kesser Lippe, einem Lächeln und natürlich schwarzem Humor besser ertragen als mit ständigem Gestänker. Das ist das Motto dieses Anteils unseres inneren Teams. Aber auch das stets offene Ohr für Patienten, Angehörige und Kollegen zeichnet ihn aus.

Das Vorbild

Er liebt seine Arbeit. Die Ursprünge der Pflege als sich anderen widmender Beruf inklusive gewisser persönlicher Entbehrungen hat er schon in der Ausbildung gern aus den Lehrbüchern inhaliert. Meldet sich gern, um Pflegeschüler nicht nur als willkommene Arbeitserleichterer mitzunehmen in der Schicht, sondern um tatsächlich Praxistipps mitzugeben und anzuleiten.

Der Distanzierte

Das Selbstbild des Distanzierten ist eher vom Dienstleistungsgedanken geprägt, was aber auch sehr klare Grenzen zwischen Privatem und Geschäftlichem zieht, z.B. ggü. KollegInnen & PatientInnen sowieso. Pflege sieht er als einen Job.

Der Harmoniebedürftige

Knatsch im Team ist ihm ein Graus. Stets wird er sich deeskalierend und ausserordentlich kompromissbereit verhalten wollen, auch wenn andere innere Stimmen gern eine klarere „Dagegen“-Position vertreten möchten. Nach dieser Stimme handelnd befindet man sich meist in einer sehr beliebten Teamposition, je nach Mitspielern…kann aber auch zum „Mann für Alles“ mutieren.

Der Ruhige-Sichere

Der weiß, was er weiß. Aber auch was er nicht weiß. Authentisch, echt und integer…ist das eine sehr führungsstarke und selbstbewusste Stimme. Sofern vorhanden.

Ausklang

Jedes für sich haben all diese Stimmbeispiele seine Vorteile. Keines ist nur gut oder schlecht. Je nach Situation gewinnt die eine oder die andere Stimme die Oberhand und bestimmt unser Handeln.

Je mehr wir jede Einzelene reflektieren, sie vielleicht sogar in einer Supervision besprechen, umso mehr gewinnen wir an Sicherheit, welche Stimme wann ein guter Ratgeber ist und die Oberhand über unser Tun erhalten sollte.

Aber auch das Verständnis für die Handlung anderer wird mit Vertiefung dieses Modells und der Selbstreflexion ausgeprägter und klarer werden.

Habt Ihr dominante innere Anteile in Eurem inneren Team? Wenn Ihr Lust habt, benennt sie doch in den Kommentaren 🙂
Freue mich, davon zu lesen!
Eure Kasia von pflegepsychologisch

 

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4 Kommentare zu „Das innere Team & wie es in der Pflege aussehen kann

  1. Ich arbeite auf dem Büro, mit Pflege habe ich nichts zu tun. Dennoch kann ich mich mit dem Harmonibedürftigen und dem Distanzierten gut identifizieren. Humorvoll-Kommunikativ will ich gern sein, das muss mein Umfeld beurteilen. Derzeit mache ich eine Ausbildung zum Supervisor. Das innere Team als Methode zur Lösung von Fragestellungen finde ich sehr sehr nützlich. Danke für den Beitrag.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, Ralf, für das Teilen Deiner dominanten „Stimmen“. Natürlich finden sich meine Beispiele auch völlig professionsübergreifend in ähnlichen Ausprägungen, mit ähnlichen Vor- und Nachteilen wieder… nur eben etwas nischenspezieller…viel Erfolg bei Deiner Ausbildung und freut mich auch, dass Du die positive Erfahrung mit dem inneren Team als Tool teilst. Beste Grüße Kasia

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